Eindrücke unseres Kommunikationsworkshops in Bautzen

Am Samstag, dem 09.09.2017 fand unser erster Kommunikationsworkshop zum Umgang mit Vorurteilen bei der Arbeit mit Geflüchteten statt. Im house of resources in Bautzen gab es für die Teilnehmer nicht nur theoretischen Input. Mit einem Schauspieler konnten verschiedene Situationen ganz praktisch durchgespielt werden!
Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Teilnehmern für die mutigen Einsätze und den tollen Tag!

Wer selbst dabei sein möchte, kann sich noch für unsere weiteren Termine anmelden!
14.10.2017 in Görlitz
04.11.2017 in Zittau

Anmeldungen bitte per Mail an: kontakt@kib-institut.de

 

Programm zum Symposium: „Angekommen und nun? Integration ein vielschichtiger Prozess! Discourse – Networking – Commitment“

 

Wir freuen uns schon sehr auf unser Symposium am 28.10.2017 mit dem Titel: „Angekommen und nun? Integration ein vielschichtiger Prozess! Discourse – Networking – Commitment“ in Görlitz.

Vorab hier schon mal das Programm zur Veranstaltung.

Wir freuen uns auf viele interessierte Teilnehmer.

 

 

Fachkräfte für die Unternehmen in der Region Oberlausitz

Das Thema Fachkräfte treibt die Unternehmen auch in der Region Oberlausitz um. Deshalb haben die Hochschule Zittau/Görlitz, die Wirtschaftsförderung der Stadt Zittau und die IHK Dresden (Geschäftsstelle Zittau) am 23.08.2017 die Unternehmen der Region zu dem Workshop „Personalrecruiting“ eingeladen. Und da uns unsere Region und alles was sie bewegt am Herzen liegt, freuten wir uns auch, dass das KIB den Workshop gestalten durfte. Personalgewinnung ist in den heutigen Zeiten ein sehr herausforderndes Thema, welches mit viel Energie von den Unternehmen bearbeitet wird. Gemeinsam mit Vertretern der Unternehmen wie unter anderem der Trumpf Sachsen GmbH; der Holzindustrie Schweighofer GmbH Sachsen; der RTT Robotertechnik-TRANSFER GmbH; der Support Q GmbH Deutschland (Standort Görlitz); der SFS Spezialfedern GmbH Seifhennersdorf; der Teleperformance Germany S. à r. l. & Co. KG – Görlitz; der Zittauer Alten- und Pflegeheim GmbH „St. Jakob“ und der Sysmex Partec GmbH haben wir aus verschiedenen Perspektiven die Fragestellungen und Handlungsmöglichkeiten bearbeitet.

Konkret haben wir uns mit folgenden Fragen beschäftigt:

  1. Warum ist die Beziehungsebene bei der Arbeit im Personalrecruiting wichtig?
  2. Wie kann der Cultural Fit bei der Personalbeschaffung hilfreich sein?
  3. Welche Möglichkeiten der Sichtbarkeit gibt es online und offline und welche Kommunikationsmethoden eignen sich auf den jeweiligen Kanälen?
  4. Was können wir von guten und schlechten Stellenausschreibungen lernen?
  5. Was verbirgt sich hinter Active Sourcing und wie kann es hilfreich eingesetzt werden?

Unser Fazit zum  Workshop: Wir sind beeindruckt! Beeindruckt sind wir von der Offenheit der Unternehmen, sich neuen Wegen bei der Personalgewinnung zuzuwenden und von der Energie, die sie tagtäglich aufbringen, um gute Leute zu finden. Uns hat es Spaß gemacht und eines ist uns auch hier wieder deutlich geworden: Unsere Region ist es wert und es ist schön hier zu arbeiten und zu leben!

Dr. Stefanie Seifert

Angebot: Trainings zum Umgang mit Vorurteilen bei der Arbeit mit Geflüchteten

  • Wenn es in Ihrem Umfeld immer wieder Diskussionen gibt über Ausländer, Integration, das Für und Wider zum Thema Flucht….
  • Wenn Sie selber in diesem Bereich arbeiten oder Sie sich engagieren – oder wenn Sie immer wieder diskutieren…

Wenn Sie wissen wollen, wie Sie vielleicht besser argumentieren oder in Diskussionen gelassen bleiben können…

…dann sind Sie hier richtig!

Wir bieten Ihnen einen Workshop, bei dem es um all das geht:
Um Gesprächstechniken und die notwendige Haltung, um Argumentation und die Frage, wann es sich nicht mehr lohnt zu sprechen. Das Ganze ist kein herkömmliches Seminar, sondern ein Live-Training. Die graue Theorie wird bei uns durch Praxis ersetzt.
Hier können Sie alles selbst ausprobieren! Und da wir von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert werden, ist der Workshop kostenlos!

Worum geht es und wer macht das?

Die Trainings werden von Kommunikationspsychologen konzipiert, durchgeführt und geleitet. Zielstellung ist es, Akteure dabei zu unterstützen eine kommunikative Handlungssicherheit im Umgang mit Vorurteilen gegenüber geflüchteter Menschen zu erhalten. Dabei steht weniger die sachliche und fachliche Auseinandersetzung mittels Fakten im Fokus, sondern vielmehr der Umgang mit den emotionalen und gesellschaftsdynamischen Aspekten der einzelnen Standpunkte. Die Teilnehmer können und sollen lernen, wie sie Gespräche so führen, dass sie es dem Gesprächspartner ermöglichen seinen Selbstwert und seine Identität zu erhalten und sich dennoch auf die jeweils anderen Interessen, Bedürfnisse und Einstellungen einzulassen. Es soll darum gehen Abstand zu gewinnen von verallgemeinernden Positionen und dem Ringen um Mitstreiter und Unterstützer für die eigene Sache, um einen Weg zu einer pragmatischen, differenzierten und emotionalen Auseinandersetzung mit den ganz konkreten Herausforderungen, Chancen und Erfolgen innerhalb der Flüchtlingsarbeit zu finden.

Zielgruppe für die Trainings sollen und können alle Menschen in der Oberlausitz sein, die beruflich oder auch ehrenamtlich mit der beschriebenen Problematik konfrontiert sind (z.B. Mitarbeiter von Jungendhäusern, Sozialpädagogen, Landkreisverwaltungsmitarbeiter, Kirchenmitarbeiter, Vertreter von Bildungsträgern usw.). Dafür ermitteln die Trainer konkrete Bedarfe und schneiden die Trainings auf die Teilnehmer individuell zu. So orientieren sich die Trainings nah an der Praxis der Teilnehmer und können maximal hilfreich sein. Da dieses Vorgehen einen intensiven und teilnehmernahen Prozess erfordert, wird die Teilnehmerzahl daher auf 15 Personen begrenzt.

Hier die Termine:
Bautzen 09.09.2017 | 10.00 – 16.00 Uhr | House of Resources 
Anmeldefrist bis zum 25.08.2017

Görlitz 14.10.2017 | 10.00 – 16.00 Uhr | Seminarraum KIB-Institut
Anmeldefrist bis zum 29.09.2017

Zittau 04.11.2017 | 10.00 – 16.00 Uhr | Hochschule Zittau
Anmeldefrist bis zum 20.10.2017

Anmelden können Sie sich per Mail: kontakt@kib-institut.de 

Wir freuen uns auf Sie!

Ihr KIB-Team

Unsere neuen Visitenkarten – ein voller Erfolg

Seit März haben wir nun die neuen Visitenkarten im Einsatz und das Feedback ist großartig. Ich stelle bei fast jeder Übergabe fest, dass unsere Kunden die Karte wesentlich länger begutachten als üblich. Das liegt wohl nicht zuletzt an dem wunderschön schlichten  Logo von Thomas Hönel und dem einzigartigen Design von Henry Töpfer  (habundgutdesign), welches er farblich auf die mittlere Lage der Visitenkarten abgestimmt hat. Besonders gelobt wird außerdem die Qualität der Luxe-Visitenkarten von MOO Print Limited, deren massive 600 g/qm einen bleibenden haptischen Eindruck hinterlassen.

Es ist jedesmal ein gutes Gefühl eine solche Karte überreichen zu dürfen, welche die Professionalität und die Kreativität des KIB-Teams so hervorragend zum Ausdruck bringt.

Wir danken allen herzlich, die an dem Entstehungsprozess beteiligt waren.

Johannes Marquard

 

 

Projekt: Integration von Menschen mit Fluchterfahrung in der Region Oberlausitz

Da es für uns wichtig ist, dass wir auch einen Beitrag leisten, der gesellschaftlich relevant ist und auch hier für unsere Region eine Bedeutung hat, haben wir seit März diesen Jahres das Projekt zum Thema gelingende Integration von Menschen mit Fluchterfahrung in der Region Oberlausitz ins Leben gerufen. Sehr haben wir uns gefreut, dass die Bundeszentrale für politische Bildung unsere Projektidee mit einem positiven Förderbescheid honoriert hat. Nun aber mal einen Schritt zurück. Was hat uns dazu bewogen, dass wir hier aktiv werden möchten? In vielen unserer Moderations- oder auch Supervisionsaufträgen werden wir mit diesem Thema konfrontiert und wissen, dass zwar die erste große Welle an Geflüchteten in der Region abebbt, sich damit aber keineswegs eine Entspannung der Situation einstellt. Integration ist ein langfristiger Prozess, welchen wir als Gesellschaft nur gemeinsam tragen können. Schauen wir uns einmal die Statistik an, so sehen wir, dass der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Sachsen im Jahr 2012 bei nur 2,39 %[1] lag und somit im Verhältnis zu anderen, insbesondere westdeutschen Bundesländern sehr niedrig war. Durch die stark angestiegene Zahl nach Sachsen eingereister Menschen im Jahr 2015 änderte sich die Situation. Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund ist im Jahr 2015 auf 4,05%[2] gestiegen. Damit stieg er innerhalb von nur drei Jahren um 69,04% an.

Wie die Ergebnisse der Repräsentativerhebung der „Mitte“ –Studien der Universität Leipzig aus dem Jahr 2016 zeigen, liegt der Anteil der Ausländerfeindlichkeit bei 22,7% in Ostdeutschland[3]. Zu verzeichnen ist eine deutschlandweite autoritäre Aggression gegen Muslime, Sinti und Roma sowie gegen Asylsuchende[4]. Neben einer zunehmenden Gewaltbereitschaft, zeigt sich ebenfalls eine Häufung rechtsextremer Einstellungen unter PEGIDA-Anhängern[5]. Der Scheinwerfer der Medien im Jahr 2016 wurde häufig auf die Stadt Bautzen in der Oberlausitz gerichtet. Schlagzeilen wie „Erneut Flüchtlinge in Bautzen angegriffen“ (Spiegel.de, 02.11.2016)[6]; „Rechtsextreme machen wieder Hetzjagd auf Flüchtlinge“ (Zeit.de, 01.11.2016)[7]; „Flüchtlingsheim brennt – und Schaulustige jubeln“ (Stern.de, 21.02.2016)[8] gingen um die Welt. Der Soziologe und Professor der Hochschule Zittau/Görlitz sowie Partner des KIB Instituts Raj Kollmorgen hat die Transformation der postsozialistischen Gesellschaften erforscht und konnte feststellen, dass der ostdeutsche Rechtsextremismus auch aus einer Art Verlierererfahrung der Nachwendezeit resultiert. Erschwerend kommt hinzu, dass in der Region Oberlausitz eine rückläufige Zivilgesellschaft zu verzeichnen ist und die verbleibende Bevölkerung mit Rückzug und Bewahrungsabsichten reagiert. Der Zuzug von Flüchtlingen wird hier z.T. als Bedrohung wahrgenommen[9].

Die Region Oberlausitz steht nun vor der schweren Aufgabe, den Spagat zwischen dem Wunsch und Willen einer gelingenden Integration und den verschiedenen Einstellungen der Bevölkerung zu vollziehen. Dabei sind alle Akteure der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft und nicht zuletzt jeder Einzelne selbst aufgefordert einen Beitrag zu leisten.

Es gibt bereits eine Reihe an aktiven Bestrebungen von Städten und Gemeinden sowie Vereinen und ehrenamtlich tätigen Bürgern, zur Bewältigung der Herausforderung, wie z.B. das Café HotSpot[10], eine Einrichtung entstanden mit Geflüchteten für eine gelebte Integrationspraxis. Auch die Demokratiewochen in Bautzen[11] sind hier zu nennen. Und nicht zuletzt der Aktionstag „Vielfalt ist unsere Stärke[12], der Vereinigung Zittau ist bunt, zeigt Engagement auf diesem Gebiet. Deutlich ist, dass die Aktivitäten oft dezentral und punktuell ansetzen, und somit einen eher kleinen Wirkungskreis besitzen. Ein systematischer Austausch sowie eine synergieeffektorientierte Vernetzung aller Akteure in der Oberlausitz sind bislang nur in Ansätzen erfolgt. Eine weitere Herausforderung besteht im kommunikativen Umgang mit Vorurteilen gegenüber geflüchteten Menschen. Das Engagement im Diskurs wirkt oft ungewollt belehrend, Argumente dagegen führen zu einer Verhärtung von Positionen, ohne Reflexion zu fördern.[13]

Aus dieser nur in Ansätzen beschriebenen Problemstellung heraus ergeben sich für uns zwei Zielbereiche:

  1. Vernetzung von Akteuren in der Region Oberlausitz, um Diskurs zu fördern und Aktivtäten für eine gelingende Integration zu bündeln sowie eine stärkere Breitenwirkung zu erzielen
  1. Entwicklung und Bereitstellung von Argumentationskonzepten zum kommunikativen Umgang mit Vorurteilen gegenüber geflüchteter Menschen, um die Handlungskompetenz und die Handlungssicherheit der Akteure zu unterstützen

Unsere Projektidee lässt sich hier wie folgt skizzieren:

Und da wir nun schon August haben, liegt ein Teil der Arbeit bereits hinter uns. Die Termine stehen fest, die Veranstaltungen sind konzipiert, es wurden unzählige Gespräche geführt, mit betroffenen sowie beteiligten Akteuren.

Das Symposium „Angekommen und nun? Integration ein vielschichtiger Prozess! Discourse – Networking – Commitment“ findet am 28.10.2017 an der Hochschule Zittau/Görlitz, am Standort Görlitz, Furtstraße 1a statt. Und wir freuen uns sehr, dass bereits so viele Personen unserem Aufruf gefolgt sind, um am Symposium mitzuwirken. Alle drei Stadtoberhäupter aus Zittau (Thomas Zenker), Görlitz (Siegfried Deinege) und Bautzen (Alexander Ahrens) haben zugesagt. Vertreter aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und zivile Initiativen (z.B. Steinhaus Bautzen e.V.) sind mit an Bord. Und da wir aus Erfahrung sagen können, dass es nicht hilft übereinander zu reden, sind natürlich auch Menschen mit Fluchterfahrung dabei und erzählen uns ihre Geschichte. Zum Ablauf gibt es dann bald weitere Details.

Ein zweiter Teil sind unsere Kommunikationstrainings, zum Umgang mit Vorurteilen bei der Arbeit mit Geflüchteten. Gemeinsam möchten wir hier Handlungsstrategien entwickeln und diese in praktischen Übungen anwenden. Wir wollen Tipps an die Hand geben, wie man im Alltag oder im Berufsleben mit negativen Reaktionen umgehen kann und wie es gelingen kann, einen hilfreichen Dialog zu initiieren. Zu den Kommunikationstrainings kann man sich auch bereits anmelden und da wir von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert werden, können wir diese auch kostenlos anbieten. Folgende Termine und Orte gibt es hierfür:

Bautzen         09.09.2017 | 10.00 – 16.00 Uhr | House of Resources
Anmeldefrist bis zum 25.08.2017

Görlitz 14.10.2017 | 10.00 – 16.00 Uhr | Seminarraum KIB-Institut
Anmeldefrist bis zum 29.09.2017

Zittau 04.11.2017 | 10.00 – 16.00 Uhr | Hochschule Zittau
Anmeldefrist bis zum 20.10.2017

Die Plätze sind limitiert! Wer sich also anmelden möchte, kann dies unter: kontakt@kib-institut.de gern tun.

Weitere Informationen zum Projekt, dem Symposium und den Trainings folgen.

Dr. Stefanie Seifert

Quellen
[1]Statistisches Bundesamt, (2016); https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/MigrationIntegration/AuslaendBevoelkerung2010200157004.pdf?__blob=publicationFile; S. 29 , Zugriff 11.01.2017
[2] Vgl. ebd.
[3] Vgl. O. Decker; J. Kiess; E. Brähler; (2016); Die Leipziger „Mitte“-Studien 2016, http://www.zv.uni-leipzig.de/pressedaten/dokumente/dok_20160615154026_34260c0426.pdf, S. 14, Zugriff: 12.01.2017

[4] Vgl. ebd., S.45
[5] Vgl. ebd., S. 35 – 40
[6] Vertiefend hierzu: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bautzen-erneut-fluechtlinge-von-rechten-bedroht-a-1119317.html, Zugriff 12.01.2017
[7] Siehe: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-11/bautzen-eskalation-neonazis-jagd-fluechtlinge, Zugriff: 12.01.2017
[8] Siehe: http://www.stern.de/politik/deutschland/bautzen–fluechtlingsheim-brennt—und-anwohner-jubeln-6709680.html, Zugriff 12.01.2017
[9] Siehe: R. Kollmorgen in der Zeit (2015): http://www.zeit.de/2015/36/sachsen-rechtsextremismus-fremdenfeindlichkeit-neonazi/seite-2, Zugriff: 12.01.2017
[10] Siehe https://www.betterplace.org/de/projects/50637-cafe-hotspot-gorlitz-zusammen-surfen-zusammen-leben, Zugriff. 11.01.2017
[11] http://www.demokratie-bautzen.de/praeambel/, Zugriff 11.01.2017
[12] Siehe https://www.facebook.com/zittauistbunt/, Zugriff 11.01.2017
[13]: Vertiefend hierzu: R. Gloël; K. Gützlaff (2005): Gegen Rechts argumentieren lernen; Hamburg und K.-P- Hufer (2000): Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. Materialien und Anleitungen für Bildungsarbeit und Selbstlernen; Schwalbach

Bald im Geschäft: der Lausitzer Verlag für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Wie gründet man einen Verlag? Wir wussten es nicht, und das war auch gut so, sonst hätten wir es wahrscheinlich gelassen. Im Netz gibt es Anleitungen nach dem Motto: Alles ganz einfach…

Von wegen! Wenn man konkrete Antworten will, sieht es ziemlich düster aus. Und Leute, die schon lange als Verleger arbeiten, haben uns gefragt, warum wir in diesen Zeiten allen Ernstes einen Verlag gründen wollen. Die Margen würden immer geringer, das Geschäft immer schwerer. Nun denn. Wir wagen es trotzdem und gründen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Görlitzer TRAWOS-Institut den Lausitzer Verlag für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Thomas Hönel hat ein wirklich schönes Layout für unsere Buchreihe entworfen. Voilá!

Im ersten Buch unseres neuen Verlags geht es um Hochschuldidaktik in Zeiten schneller Veränderungen und zunehmender Internationalisierung. Konkret geht es um Methoden und Techniken, die bei der praktischen Umsetzung von Lehrveranstaltungen hilfreich sind.

Jörg Heidig

Was und wer ist das KIB-Institut?

Das Institut für Kommunikation, Information und Bildung wurde im Jahr 1998 als hochschulnahes Forschungs- und Beratungsinstitut gegründet. Nachdem der Schwerpunkt der Arbeit in den ersten Jahren vor allem auf der Entwicklung und Durchführung psychologischer Weiterbildungen lag, verschob sich der Fokus später in Richtung der Entwicklung und Durchführung von Befragungen (bspw. Mitarbeiterbefragungen oder regionale Studien zu speziellen Fragestellungen). Ab 2006 war das Institut zunehmend in der Beratung von Behörden tätig. Später kamen Referenzen in den Bereichen Coaching (v.a. von Langzeitarbeitslosen; Durchführung mehrerer Modellprojekte in diesem Bereich), Moderation (Strategieprozesse, Vermittlung in Konflikten) und Supervision (u.a. in Flüchtlingseinrichtungen und in der Familienhilfe) hinzu. Das KIB-Institut ist Kooperationspartner der Hochschule Zittau/Görlitz. Derzeit gründet das KIB-Institut gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Görlitzer TRAWOS-Institut den Lausitzer Verlag für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Zum Team des Instituts gehören Praxisforscher, Moderatoren und Organisationsberater, die Leistungen u. a. in folgenden Bereichen anbieten:

  • Angewandte Sozialforschung: Entwicklung, Durchführung und Auswertung von Befragungen, bspw. als Unternehmensbefragung oder regionale Untersuchung zu bestimmten Fragestellungen, sowohl Fragebogen- als auch Interviewstudien
  • Organisationsberatung für Behörden: bspw. Beratung bei der Fusion von Behörden, Begleitung von Umstrukturierungen, Durchführung von Führungskräftetrainings
  • Moderation: bspw. Klärungsprozesse unter Führungskräften, Strategieprozesse, Konflikte auf Team- und Organisationsebene, Bürgerbeteiligungsverfahren
  • Supervision: bspw. für Fach- und Führungskräfte in der Flüchtlingsarbeit, für Familienhilfe-Teams und für Pädagogen in Kindergärten, Schulen sowie in der Erwachsenenbildung

Es hilft nichts, über gute Kommunikation zu reden, gute Kommunikation muss man machen.

Fangen wir mit einer – vielleicht drastischen – Behauptung an: In vielen Kommunikationsseminaren, Führungskräftetrainings und so weiter geht es nicht wirklich um die eigene Kommunikation, sondern wird bestenfalls Schattenboxen betrieben. Es werden zwar Übungen gemacht und mitunter recht schlaue Analysen angestellt, aber oft geht es gar nicht um die tatsächlich stattfindende Kommunikation, sondern es wird über Kommunikation geredet. Aber wo ist da der Unterschied? Was ist hier der Punkt?

Kommunikation hat, etwas platt gesagt, einen mindestens doppelten Boden: Wir sagen nur sehr selten, was wir tatsächlich denken. Stattdessen „umschiffen“ wir im Gespräch alle möglichen – angenommenen – Klippen. Um „angenommene Klippen“ handelt es sich deshalb, weil wir die Handlungen unseres Gegenübers interpretieren – wir verleihen dem Gesagten eine Bedeutung, indem wir die Bedeutung unterstellen; in der Regel prüfen wir unsere Unterstellungen dann aber nicht, sondern handeln/reagieren auf der Grundlage unserer unterstellten Annahmen. Als dann gestalten wir unsere Äußerungen so, dass sie einigermaßen selbstwertdienlich bleiben. Wir schützen uns beim Sprechen, indem wir so reden, dass unser Gegenüber dasjenige Bild bestätigt, welches wir von uns selbst haben – oder im problematischeren Fall: gern hätten.

Was würde auch passieren, wenn wir vollends ehrlich wären? Wenn wir alle Gedanken äußerten? Wir würden uns gegenseitig weit stärker verletzen, als wir es ohnehin schon tun; es gäbe mehr Eskalationen und Konflikte. In diesem Sinne scheint die Zurückhaltung mancher Gedanken eine zivilisatorische Errungenschaft.

Chris Argyris hat die Eigenheiten dieser Errungenschaft eingehend untersucht und festgestellt, dass Menschen in der Regel gute und nachvollziehbare Handlungsgründe angeben („espoused theories“), tatsächlich aber nur zwei grundlegende handlungsleitende Annahmen zur Anwendung kommen („theories-in-use“). Wobei sich die angegebenen von den tatsächlich verwendeten Handlungsgründen maßgeblich unterscheiden. Die angegebenen Gründe sind recht vielfältig, individuell und oft sozial erwünscht. Die tatsächlich verwendeten Handlungsgründe dienen hingegen dem Selbstschutz und sind kaum oder nicht bewusst. Das Schutzbedürfnis ist dabei so stark ausgeprägt, dass wir im Prinzip auf unseren eigenen Positionen verharren und versuchen, die jeweils andere Seite zu manipulieren.

Es gibt nach Argyris wie gesagt zwei solcher „theories-in-use“:

Variante 1: Es geht um Gewinnen oder Verlieren. Das wird aber nicht zugegeben, sondern man betont die Bedeutung der Sachebene. Man ermahnt sich gegenseitig, sachlich zu bleiben und ist sich quasi „im Streit einig“. Niemand verlässt seinen Standpunkt; der Streit ist stabil. Motto: „Wir greifen uns gegenseitig an, um unsere Positionen nicht wirklich verlassen zu müssen.“ Ergebnis sind die in vielen Organisationen nur zu bekannten, immer wieder neu vertagten, kaum zu Ergebnissen führenden Besprechungsmarathons.

Variante 2: Man vermeidet Konflikte, spricht sich aus, betont die Rolle von Gefühlen, bleibt dann aber stehen und tritt sich nicht zu nahe. Es bleibt quasi bei der – durchaus offenen – Aussprache, indem man in einem falsch verstandenen „Harmonieideal“ verharrt. Man spricht aus, trägt aber nicht aus.

Kurz gefasst: Wenn wir sagen, warum wir etwas tun, finden wir viele schöne Worte. Die tatsächlichen Handlungsgründe laufen jedoch auf Selbstschutz hinaus. Wir kommunizieren so, dass wir möglichst angstfrei und sicher durch die Welt kommen. Die wichtigste Einflussgröße bei der Kommunikation ist dementsprechend die Sicherung der eigenen „sozialen Flughöhe“ (soziologisch: Status; psychologisch: Selbstwert). Einmal nicht recht zu haben oder die Ambivalenz der Sichtweisen in einem Team zu ertragen macht unsicher. Wir hätten es aber gern sicherer, angstfreier, weniger vieldeutig und ambivalent.

Und so kommt es, dass wir uns bei der Thematisierung von Kommunikation recht gern über gute Kommunikation unterhalten, gute Kommunikation aber nicht wirklich realisieren, denn dies würde ja bedeuten, dass wir uns – zumindest für die Zeit der Thematisierung – mit den tatsächlichen Sichtweisen der jeweils anderen Seite auseinandersetzen müssten, was aber unangenehm ist und unsicher macht.

Diese Worte sollen nicht etwa als Votum für durchgängig größtmögliche Offenheit verstanden werden. Es ist in der Regel gut und ausreichend, wie wir kommunizieren. Wollen wir aber etwas lernen – als einzelne Person oder als Team gleichermaßen – müssen Bühne und tatsächliches Geschehen für kurze Zeit auf eine Ebene gebracht werden, müssen die tatsächlichen Gedanken hinter der Fassade aussprechbar werden, damit sich die tatsächlich handlungsleitenden Theorien ändern.

Deshalb ist es in der Regel sinnlos, von guter Kommunikation zu reden. Man stelle sich vor, wie viel Geld ausgegeben wird für die Erarbeitung von Leitbildern, Kommunikationsregeln und ähnlichem. Man stelle sich zudem all jene Situationen vor, in denen Manager behaupten: „Wir müssen zu einer neuen Kommunikationskultur finden!“ Durch die „Behauptung“ einer „irgendwie besseren“ Kultur ändert sich nichts. Kultur ist der Besitz einer Gruppe (Edgar Schein) im Sinne einer Art kollektiv geteilter Handlungsmuster oder Gewohnheiten. Solche Handlungsmuster ändert man, indem man ihnen etwas in den Weg stellt, sie im konkreten Handlungsprozess verändert, indem man also etwas anders macht. Selbst. Persönlich. In der konkreten Interaktion mit anderen. Regeln ergeben sich aus den Mustern des Prozesses. Und wenn man Regeln (von oben, von außen…) implementieren will, nutzt es wenig, die Regeln an die Wand zu schreiben. Man muss sie im Geschehen anwenden, bis sie zu (neuen) Handlungsmustern führen. Tragfähige Beziehungen, Reflexion, Experimentieren und Nachfragen helfen dabei (Amy Edmondson). Die Behauptung allein bringt nichts und Belehrungen sorgen in der Regel nicht für gute Laune. Man muss im Prozess etwas ändern, etwa indem man etwas probiert oder im Prozess Fragen stellt, reflektiert usw.

Im Prinzip geht es darum, dass die Beteiligten lernen, jenseits der eigenen Positionen neue Informationen zuzulassen und die Unsicherheit zu ertragen, die es bedeutet, mit der Anwesenheit anderer Meinungen leben zu lernen, ohne endlos zu diskutieren oder jegliche Diskussion im besagten „Konsensideal“ zu ertränken. Mehr Informationen (Chris Argyris) und das Ertragen von Unsicherheit (Wilfred Bion) sind die Voraussetzung für die Beweglichkeit der Positionen aufeinander zu. Selbstschutz führt in der Kommunikation oft nur zur Erstarrung der Positionen und entsprechend zum Ruf nach strategischer Kommunikation bzw. zum Wunsch, die besseren manipulativen Waffen oder/und mehr Macht zu besitzen.

Was das praktisch bedeutet, möchten wir abschließend an einem Beispiel darstellen: Eine junge Absolventin des Studiengangs Business Ethics beginnt, in einem mittelständischen Unternehmen als CSR-Beauftragte zu arbeiten. Sie freut sich auf ihre Aufgabe, zumal sie die Gelegenheit hat, die CSR-Konzeption von Grund auf zu erarbeiten. Der Unternehmensleitung und den Gesellschaftern wird das Thema CSR zunehmend wichtiger, allerdings haben größere Teile der mittleren Führungskräfte bisher kaum etwas von „Corporate Social Responsibility“ gehört. Dementsprechend stößt die Absolventin auf eine Gemengelage aus explizitem Rückhalt („Das Thema ist für uns sehr wichtig. Ich unterstütze Sie da. Kommen Sie ruhig auf mich zu.“), wohlwollender Neutralität („Legen Sie mal los. Sie sind ja einschlägig qualifiziert. Ich vertraue Ihnen da und bin gespannt, was Sie da für uns erarbeiten.“), Unverständnis („Ich weiß gar nicht was das sein soll. Erklären Sie mir das mal bitte am praktischen Beispiel.“) und Ablehnung („Wieder so ein neumodischer Begriff, der den Chefs ganz wichtig ist. Solche Sachen kommen und gehen auch wieder. Schauen wir mal. Schwimmen lernt man am besten, wenn man ins kalte Wasser geworfen wird. Viel Spaß!“). Unseres Erachtens wäre es nun ein Fehler, sich zu sehr auf Unverständnis und Ablehnung bzw. die entsprechenden Personen zu konzentrieren. Das führte automatisch in eine Art „Rechtfertigungsmodus“. Besser wäre es, konkretisierende Nachfragen zu stellen, die Interesse signalisieren. In der Akzeptanz der anderslautenden Meinung, des Zweifels und sogar der Ablehnung liegt der Schlüssel dafür, dass sich das Gegenüber öffnet. Entsteht dann – langsam – eine respektvolle Arbeitsbeziehung zwischen den Beteiligten, werden auch „thematische Erweiterungen“ über das bisher Akzeptierte hinaus und sogar Konfrontationen möglich. Was unter keinen Umständen hilft, ist der „Belehrungsmodus“, sprich: den Zweiflern zu erklären, was CSR sei und warum es gebraucht werde. Die größte Herausforderung für die Absolventin bleibt vermutlich, die Unsicherheit zu ertragen, die es bedeutet, wenn „ihr“ Thema auf Skepsis oder gar Ablehnung stößt. Die Kunst besteht darin, solche Reaktionen nicht persönlich zu nehmen und die in solchen Fällen dringend benötigte Mischung aus Hartnäckigkeit und guter Laune zu behalten. Eine negative emotionale Reaktion führt zu Selbstschutz und damit wahrscheinlich zu Rechtfertigung. Die eigenen Gedanken lauten dann womöglich: „Was habe ich falsch gemacht?“ „Warum sehen die Leute das nicht ein?“ „Wie kann ich besser überzeugen?“ Solche Gedanken erhöhen den Druck, den man sich selbst macht und führen – beinahe zwingend – zu wenig hilfreichen Diskussionen. Was an solchen Stellen hilft, sind an sich selbst gerichtete Fragen wie: „Was weiß ich ggf. noch nicht und welche Fragen könnte ich stellen?“ oder „Welche Optionen habe ich?“ oder „Was will mein Gegenüber wirklich, und wie könnte ich ggf. anders als bisher über mein Gegenüber denken?“

Jörg Heidig

PS: Dieser Text wurde ursprünglich am 16. November 2016 auf prozesspsychologen.de veröffentlicht.

KIB-Institut moderiert zum fünften Mal das Treffen der „Initiative Pflege – Region Weißwasser“

Bereits zum fünften Mal trafen sich diese Woche  Vertreter der Pflegebranche der Region Weißwasser innerhalb der „Initiative Pflege – Region Weißwasser“. Das Treffen findet, einem Rotationsprinzip folgend, in verschiedensten Räumlichkeiten statt. Darunter bisher das Brüderhaus der Diakonie in Rothenburg, die Turmvilla in Bad Muskau, das Krankenhaus Weißwasser sowie das Heil- und Pflegezentrum in Rietschen. Die Motivation der ersten Treffen war es, sich mit den Mitbewerbern am Pflegemarkt über faire Wettbewerbsbedingungen auszutauschen und zu verständigen. Im Laufe der letzten Veranstaltungen stellte sich jedoch heraus, dass die Pflegeunternehmen in der Region Weißwasser viel mehr verbindet als nur der Wunsch nach einem fairen Wettbewerb. Die Teilnehmer stellten fest, dass sich Themen wie der Ärzte-, Fachkräfte- und Pflegekräftemangel, die ständige Verbesserung der Ausbildungsqualität sowie die Gewinnung und Bindung von Fachkräften in der Region Weißwasser am besten gemeinsam besprechen und lösen lassen. Darüber hinaus sind sich die Teilnehmer einig, dass es einer regionalen Interessensvertretung für die Pflege bedarf, die als Netzwerk auftritt, gleichzeitig aber auch als Ansprechpartner für Politik und Öffentlichkeit funktioniert.  Nur so könne man den zukünftigen Herausforderungen der Branche entgegentreten und gemeinsam auf Augenhöhe Lösungen erarbeiten.

Die Initiative hat aus diesem Grund die folgende Agenda von Zielen erarbeitet:

  1. Erarbeitung und Durchführung von Maßnahmen, die dem zukünftigen Mangel an qualifizierten Pflegekräften und Auszubildenden entgegenwirken
  2. Unterstützung und Hilfe bei der Erarbeitung und Durchführung von Maßnahmen, die dem Ärztemangel entgegenwirken
  3. Ausbau und Verbesserung von Rahmenbedingungen (theoretisch und praktisch) für Auszubildende
  4. Erarbeitung und Durchführung von Maßnahmen, die das Image der Pflege in der Öffentlichkeit verbessern
  5. Öffentliche Wahrnehmung der Initiative als Repräsentant für die Pflege in der Region Weißwasser
  6. Definition von gemeinsamen, einheitlichen und fairen Wettbewerbsbedingungen
  7. Interdisziplinärer und fachlicher Austausch

Neben Frau Brauner und Frau Zehm (ambulanter Pflegedienst Zehm & Brauner GbR), Herrn Kunze und Frau Droigk (Familienunternehmen Kunze GmbH), Herrn Reuter (Landkreis Görlitz/Sozialdezernat), Herrn Krause (Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz mbH), Frau Schuster und Herrn Medak (Martinshof Rothenburg Diakoniewerk), sind auch Frau Spretz sr. und Frau Spretz jr. (Mobile Hauskrankenpflege Jeanett Spretz) Teil der Diskussionsrunden.

Das Institut für Kommunikation Information und Bildung freut sich sehr, die Entstehung der „Initiative Pflege – Region Weißwasser“ mit einem Moderator (Johannes Marquard) unterstützen zu können.